Blogartikel: Tauschen ist das neue Haben!

Ein Blogbeitrag von Jessica ter Veer
Jessica ist Pirat seit 2009 und arbeitet für die Ratsgruppe UWG/Piraten in Osnabrück. Darüber hinaus ist Sie im Vorstand des Kreisverbandes als stv. Vorsitzende aktiv
(Foto: Ralf ter Veer)

Der Begriff der Sharing Economy ist in aller Munde. Doch was bedeutet das eigentlich?

Das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellen von Räumen oder Flächen durch Privatpersonen und Interessengruppen ist der Grundgedanke. Im Mittelpunkt steht die collaborative consumption, der Gemeinschaftskonsum.

Die immer knapper werdenden Ressourcen und die zunehmend schlechter werdenden Bedingungen der in prekären Verhältnissen lebenden Bevölkerungsteile zwingen langsam aber sicher zur Abkehr von altem Besitzstandsdenken. Was in den Entwicklungsländern üblich ist und früher auch in Mitteleuropa üblich war, wird sich auch in den Hochburgen der Marktgläubigkeit weiter verbreiten. Noch ist Deutschland allerdings skeptisch, und die Visionen der Piratenpartei werden noch allzu leicht als Spinnerei angesehen. Aber ist die Sharing Economy nicht längst auch in unserem Land verfügbar? Wir finden diese Idee spannend und haben uns auf die Suche gemacht ob es sowas auch schon in Osnabrück gibt.

Foodsharing

Jeder der den Film "We feed the world" gesehen hat wird sich an die Szene am Anfang bestimmt erinnern. Dort wird ein Mülltransporter gezeigt, der in Wien das alte Brot vom Vortag abholt. Die Unmengen, die dabei zustande kommen, deuten nur an, wie viele Lebensmittel in unserer Gesellschaft einfach weggeworfen werden. Foodsharing ist eine Initiative, um Lebensmittel von Haushalten oder Lebensmittelbetrieben aller Art zu retten. Damit Lebensmittel, die noch gut erhalten und genießbar sind, ihren eigentlich Zweck erfüllen können: Menschen satt zu machen. In Osnabrück steht an der Petersburg ein Kühlschrank, in dem Lebensmittel abgegeben werden können. Des Weiteren gibt es eine Gruppe "Lebensmittel Retter" die sich in Osnabrück stark engagiert.

Freifunk

Mobiles Internet in Deutschland in entweder teuer, langsam oder gar nicht erst verfügbar. Das stimmt in Osnabrück seit einiger Zeit nicht mehr. Hier unterstützt der Stadtrat die Initiative Freifunk, die es bereits geschafft hat einige Router im Stadtgebiet zu installieren, mit denen WLAN für Anwohner, Passanten und Touristen freigegeben werden kann. In der Nähe des Rathauses, am Neumarkt oder auch in der Zenit Boulderhalle könnt ihr dank Freifunk unbeschränkt im Netz surfen. Wir hoffen, dass in Zukunft immer mehr Bürger diese Projekt unterstützen, damit wir vielleicht bald im ganzen Stadtgebiet ein offenes Netz haben.

Bücherschränke

Jeder hat schon mal ein paar Bücher gekauft, gelesen und dann ins Regal gestellt. Irgendwann liest man es evtl. noch mal durch. Oder nicht? Bevor sie dann in der Altpapiertonne landen kann man sie lieber verschenken. Und genau an dieser Stelle kommen die öffentlichen Bücherschränke ins Spiel. Sie stehen an öffentlichen Orten und sind frei nutzbar. Wer sich ein Buch mitnimmt, sollte jedoch eins dafür da lassen. In Osnabrück gibt es derzeit mindestens zwei Bücherschränke, im Stadtgalerie Café und im Lutherhaus. Auch einige Geschäfte unterstützen diese Idee, so wie zum Beispiel der Friseursalon Querschnitt an der Hasestraße.

Suspended Coffee

Oder der "aufgeschobene Kaffee". Noch nie etwas davon gehört? Bei dem Besuch eines Cafés bezahlt man außer dem eigenen Kaffee noch einen weiteren Kaffee. Dieser Kaffee wird vom Barista notiert und auf Nachfrage an einen Bedürftigen ausgeschenkt. In der Osnabrücker Altstadt gibt es das Kaffee 1871 in dem diese Idee bereits umgesetzt wird. Auch das Cup&Cino unterstütz diese Aktion. Das Osnabrücker Pizzahaus geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier kann man bei der Bestellung einer Pizza, die 2. Pizza schieben, und zahlt einfach  4 Euro zusätzlich. Das Geld kommt dann in eine Sammelbox. Wenn genug Geld zusammen gekommen ist, werden mehrere Pizzen davon zubereitet und an die Sozialen Dienste SKM Osnabrück geliefert.

Essbare Stadt

Städte, die man essen kann: Immer mehr Städte weltweit sind auf dem Weg, ihre Grünanlagen in essbare Landschaften zu verwandeln und gehen dabei teils neue Wege. Auch der Stadtrat Osnabrück ist dem Antrag der Gruppe UWG und Piraten gefolgt und wird zunächst modellhaft eine Freifläche für ein Projekt im Rahmen "Essbare Stadt" zur Verfügung zu stellen.
Wie die Erfahrung aus anderen Städten bereits zeigt, haben Initiativen dieser Art nicht nur kulinarische Auswirkungen, sondern bilden spielend und pflanzend Gemeinschaft und tragen ein neues Lebensgefühl ins Stadtbild: Zwischen dem Asphalt und Häuserfassaden lugt auf einmal ein kleines bisschen Schlaraffenland durch den Beton.

Coworking Spaces

Nicht jeder, der eine tolle Idee hat und gerne damit ein Unternehmen gründen möchte, hat auch einen Platz, an dem er ein funktionales Büro einrichten kann. Coworking Spaces sind Büros, die nicht dauerhaft von der gleichen Person genutzt werden und daher freigegeben werden. Die Arbeitsplätze können dann gemeinsam genutzt werden. In Osnabrück gab es diese Initiative bereits schon vor 2 Jahren http://www.space-os.de/ und auch im Innovations-Centrum-Osnabrück gibt es zurzeit 18 Plätze für Coworker.

Carsharing

Die Zeiten, in denen jeder Haushalt (mindestens) ein eigenes Auto hatte, sind vorüber. Nicht nur steigende Unterhaltungskosten und mangelnde Parkmöglichkeiten führen dazu, dass auch des Deutschen liebstes Kind, das Auto, gerne geteilt wird. In Osnabrück gibt es bereits das Angebot Flow Car sowie das Stadtteil Auto. Diese Fahrzeuge gibt es auch als Elektro-Variante - ein zusätzlicher Pluspunkt.