Das Vier-Sparten-Theater geht auf Kosten der freien Kunst- und Kulturszene

Neue und andere Prioritäten will die Gruppe UWG und PIRATEN im Rat bei der Kulturpolitik setzen. "Angesichts der Millionenlücke im Haushalt stehen wir vor der bitteren Wahl, entweder beim Theater oder bei der freien Kulturszene zu sparen", beschreibt UWG-Ratsmitglied Wulf-Siegmar Mierke die Situation und fügt hinzu: "Wir schlagen den anderen Fraktionen vor, beim Theater anzusetzen und künftig auf eine der drei Sparten zu verzichten."

Ziel sei es, den jährlichen Zuschussbedarf des Theaters seitens der Stadt von derzeit über 11 Millionen Euro um mindestens drei Millionen Euro zu senken. "Auch wenn Fachleute die genauen Auswirkungen erst noch errechnen müssen, ist uns bewusst, dass dies nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich sein wird", bedauert Piraten-Ratsmitglied Ralf ter Veer. Der Rat sei jedoch den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber verpflichtet, alle Möglichkeiten zur Reduzierung der Schuldenlast auszuloten.

"Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Stadt jede einzelne Eintrittskarte mit 50 Euro bezuschusst", betont ter Veer. Wer ernsthaft sparen wolle, müsse bei den Millionenbeträgen anfangen und nicht bei den Tausendern. Klar sei, dass der Verlust von Landeszuschüssen drohe, weiß der Pirat. "Es wird aber auch noch eine ganz andere Frage beantwortet werden müssen - wann stellt sich eigentlich der Landkreis in nennenswerter Höhe seiner finanziellen Verantwortung für das Theater?"

Als "Totschlagargument" weist Mierke Vorwürfe zurück, die mögliche Schließung einer Theatersparte sei gleichbedeutend mit dem Ende der Kultur in der Region. "Wahr ist", so der Unabhängige, "dass wir nur auf diesem Weg die Vielfalt der kulturellen Einrichtungen erhalten können." Das gelte zum Beispiel für das Stadtgaleriecafé, das seit 2009 erfolgreich in Kooperation zwischen der Kunsthalle und der Heilpädagogischen Hilfe betrieben werde: "Diese Institutionen wollen wir dauerhaft im Bestand sichern."

Zugleich schlagen UWG und PIRATEN vor, die von Ihnen geforderte Schließung des Hafens für die Entfaltung der freien Kulturszene zu nutzen. "Wenn es die Stadt am Güterbahnhof nicht hinkriegt - am Hafen hat sie die Chance, jede Menge Freiraum zu schaffen", freuen sich Mierke und ter Veer. Dort könne sich eine einmalige Mischung aus Kultur, Kreativ- und Freizeitwirtschaft etablieren, "sobald wir aufhören, uns an Bekanntes zu klammern und anfangen, das Neue zu gestalten."